Kommunikationspsychologie
Wie entstehen eigentlich Mißverständnisse?
Mit vier Ohren hört der Mensch...
Aktives Zuhören
Die hohe Kunst des Zuhörens: Auf die Gefühle des anderen
eingehen.
Lernen, mit Gefühlen umzugehen
Andere überzeugen
Im Dreischritt zum Ziel und den anderen beim Wort nehmen
Unangenehmes mitteilen
Sanfte Kritik, Beschwerden vorbringen und entgegennehmen
Spontaneität
Was geschieht, wenn wir Gefühle ansprechen?
Nervosität bekämpfen
und: Positives sprechen
Ist alles nur Manipulation?
Welche Rolle spielt Emotionale Intelligenz?
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Aktives Zuhören
Die hohe Kunst des richtigen Zuhörens
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Uniwelle, von Abele bis Zwirner. Zu Gast ist Christian Weisbach,
Autor des Buches "Professionelle Gesprächsführung". Gerade eben
haben wir uns schon unterhalten, wie Mißverständnisse entstehen
können. Nämlich zum einen dadurch, daß die gesendeten Botschaften
nicht richtig ankommen. Ich denke mir, ein Grund könnte auch sein,
daß man sich aneinander einfach vorbeiredet. Herr Weisbach, dabei
ist Zuhören ja auch wichtig für ein Gespräch. Kann man richtig
zuhören?
Üblicherweise gehen wir davon aus, daß das Vorhandensein
von zwei Ohren ausreicht, daß jeder zuhören kann. Die Schule
kennt kein Ausbildungsfach "Zuhören" und an der Hochschule weiß
jeder Studierende, wie mühsam es ist, genau das zu hören, worauf
es ankommt. Man hat es in der Schule nicht gelernt, das Wichtige vom Unwichtigen
zu unterscheiden oder das Wesentliche einer Aussage zu erkennen.
Es ist ein Unterschied, ob ich das Zuhören pro forma betreibe,
also meinen Mund halte und nur darauf warte, daß ich dran bin. Das
würde ich ein formales Zuhören nennen. Oder ob ich mich wirklich
mit dem, was der andere sagt, auseinandersetze. Das wäre ein aufnehmendes
Zuhören.
Es gibt aber noch ein differenzierteres Zuhören. Daß ich
die Zeit, während der andere spricht, nutze, mir darüber klar
zu werden: Was will der andere sagen? Im klassischen Gespräch
nutze ich die Zeit, während der andere spricht, um mich zu fragen,
was will ich sagen, wenn er endlich fertig ist.
Um aber auf das einzugehen, was der andere gesagt hat, könnte
ich mir angewöhnen, es mit eigenen Worten zu wiederholen. Die Griechen
nannten das schon die Paraphrase. In den platonischen Dialogen des Sokrates
ist das Gang und Gäbe gewesen. Bis zum ausgehenden Mittelalter war
das auch an unserer Hochschule Gang und Gäbe. Heute kann das fast
keiner mehr.
In Ihrem Buch schreiben Sie über aktives Zuhören. Können
Sie uns vielleicht ein Beispiel geben, wie aktives Zuhören funktioniert?
Aktives Zuhören ist nun die hohe Kunst - während ich mich
beim umschreibenden Zuhören wenigstens an den Wortlaut halten kann,
den ich mit meinen Worten wiederhole - soll ich beim aktiven Zuhören
auf das eingehen, was der andere zwischen den Zeilen zum Ausdruck bringt,
ohne dafür eigens Wörter zu benutzen. Das heißt der Tonfall,
die Stimmlage, auch der Gesichtsausdruck spiegelt wider, wie ihm zumute
ist. Der ganze Gefühlsanteil schwingt in einer Aussage mit, ohne daß
jemand Wörter dafür tatsächlich verwendet, die seinen Gefühlsanteil
wiedergeben.
Wir sagen ja auch üblicherweise auch nicht: "Ich bin jetzt ärgerlich
auf dich", wenn jemand zu spät kommt, sondern wir sagen mit dem Tonfall
von Ungehaltensein: "Sag mal, wo kommst du jetzt eigentlich her?" Und der
andere soll spüren, daß wir verflixt aufgebracht sind.
Und aktives Zuhören versucht nun, diesen mitschwingenden Gefühlsanteil
in Worte zu kleiden. Also der so Gemaßregelte beispielsweise auf
den Satz: "Wo kommst du eigentlich her?" könnte erwidern: "Das stinkt
dir, daß ich jetzt erst komm'." oder: "Du bist ärgerlich, daß
du solange warten mußtest." Er geht damit auf das ein, was den anderen
tatsächlich beschäftigt, nämlich auf sein ureigenstes Gefühl.
Und das nimmt der andere dann auch anders, positiver auf.
Ja, es gibt ein Bestreben von uns Menschen, daß wir im Grunde
alle nach einem und demselben Ziel trachten: Wir möchten alle ernstgenommen
werden. Jeder, auch die Hörer jetzt zuhause, haben von morgens bis
abends nur ein Ziel: Sie möchten ernst genommen werden, sie möchten
respektiert werden, sie möchten beachtet, geachtet werden. Und sobald
ich wahrnehme, daß ein anderer Mensch mich wirklich ernst nimmt,
geht's mir gut.
Wenn jemand auf meine Gefühle eingeht und ich nehme wahr: "Das
stimmt. Genau! Ich bin ärgerlich, ich bin aufgebracht. Das kratzt
mich gerade." Und ich nehm wahr, der andere kriegt's mit, muß ich
meinen Ärger nicht weiter zur Schau stellen. Das muß ich, wenn
ich merke, daß sich der andere über meinen Ärger hinwegsetzt.
Ich bleib mal eben in dem Beispiel: Der Wartende, der den Zuspätkommenden
kritisiert: "Sag mal, wo kommst du eigentlich her?" kriegt zur Antwort:
"Nun reg dich doch nicht auf!"
Das heißt, es ist auf sein Gefühl von Ärger überhaupt
nicht eingegangen worden, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß
dieser Ärger nun zum Aufbrausen führt.
Und damit wird alles noch viel schlimmer.
Und den Mißverständnissen und Folgeproblemen ist Tür
und Tor geöffnet.
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