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Erstausstrahlung: gestaltete SendungenDer Wahrheit auf der Spur: Tatsachenfeststellung vor Gericht. Wie sich Irrtümer erkennen und Lügenkomplotte aufdecken lassen
Kommunikationspsychologie: Mißverständnisse, aktives Zuhören und Unangenehmes mitteilen
| Mediation - eine neue Streitschlichtungsmethode
Anmoderation::
Seit zweieinhalbtausend Jahren ist der Gerichtsprozeß in unseren
Breitengraden die gängigste Form, einen Streit zu entscheiden und
- so hofft man - den Konflikt zu lösen: Zwei miteinander unvereinbarende
Positionen stehen sich gegenüber, und die Justiz muß entscheiden,
welche sich von beiden durchsetzt.
O-Ton Haft:Und wer ein Urteil selber mitgestaltet, der kann sich auch besser damit identifizieren. Mit dem Ergebnis der Mediation hat man zwar keinen juristisch vollstreckbaren Titel, aber in der Regel halten sich die Parteien an die Abmachung. Diese Erfahrung machte zumindest der Referent Karsten-Michael Ortloff, Richter am Verwaltungsgericht in Berlin - einer der wenigen Richter in Deutschland, die die Mediation einsetzen. Damit lassen sich nämlich verblüffende Kompromisse erzielen, die in einem normalen Gerichtsverfahren, in dem stur Ansprüche geprüft werden, gar nicht möglich sind. Zu diesem Fazit kam auch Claudia Schanz, eine Seminarteilnehmerin, die ein Jahr lang im Heimatland der Mediation, den USA, studiert und diese Form der Konfliktbewältigung schätzen gelernt hat: O-Ton Schanz:Wie hätte man durch ein Gerichtsurteil das gleiche Ergebnis erzielen können? Die ernüchternde Antwort: Gar nicht. Denn in einem Urteil wäre nur festgestellt worden, wer im Recht ist - die alte Frau oder die Betreiber des Einkaufszentrums. Einer von beiden wäre mit leeren Händen aus dem Gerichtssaal gegangen. Durch die Mediation werden beide Interessen bedient: Die Betreiber konnten ihr Einkaufszentrum errichten und die alte Frau in ihrem Haus wohnen bleiben. Ziel des Seminars war es, den Studenten einen Weg zu zeigen, wie solche Ergebnisse erzielt werden können. Eine Schlüsselposition nimmt dabei der Mediator ein. Er ist eine Vermittlungsperson zwischen den Parteien und muß dafür bestimmte Voraussetzungen mitbringen. Karsten-Michael Ortloff vom Verwaltungsgericht in Berlin: O-Ton Ortloff:Verwaltungsrichter Ortloff führt die Mediation parallel zum schwebenden Verfahren durch, denn der Mediator hat im Gegensatz zum Richter keinerlei Entscheidungsmacht: Den Kompromiß sollen ja die beteiligten Parteien aushandeln. Sie sind es, die die Fäden im gesamten Verfahren in den Händen halten. Sie wählen den Mediator selber aus, bestimmen die Verfahrensregeln und können die Mediation jederzeit abbrechen und wieder den Rechtsweg beschreiten. Dadurch fühlen sich die Beteiligten akzeptiert und gleichberechtigt - eine wichtige Voraussetzung für einen Konsens. Ein weiterer Schritt dorthin ist es, nicht die Positionen, sondern die eigentlichen Interessen der Parteien zu finden. Fritjof Haft: O-Ton Haft:Als Richter kann - und aus Fairneß will - Karsten-Michael Ortloff auch die Rechtslage zu Beginn der Mediation offen darlegen, damit die Parteien wissen, woran sie sind. Auf den ersten Blick scheint dadurch die Mediation unmöglich zu werden, denn wieso sollte sich jemand, der einen berechtigten Anspruch hat, auf einen Vergleich einlassen? Wenn er vernünftig ist, tut er es doch, denn ein Interesse besteht ja nicht nur darin, einen Anspruch überhaupt durchzusetzen, sondern auch schnell und günstig zu seinem Recht zu kommen. Ortloff berichtet von einem Fall, in dem eine Behörde eine rechtswidrig betriebene Gaststätte zurecht schließen wollte. Die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich langsam, daher war auch der Zeitfaktor ein berechtigtes Interesse der Behörde; außerdem kostet ein solch langwieriger Prozeß von ein oder zwei Jahren wertvolle Arbeitszeit und macht nur Ärger. Die Behörde war also an einer gütlichen Beilegung sehr interessiert. Daher einigte man sich auf eine Art "Schonfrist". Der Gaststättenbetreiber verzichtete auf Rechtsmittel; und die Behörde kam ihm insoweit entgegen, daß sie seine Gaststätte noch solange duldete, wie das Verfahren normalerweise gedauert hätte. Er muß am Ende zwar auch schließen, hat aber dafür nicht die Prozeßkosten und weniger Ärger am Hals - und damit hat auch er etwas gewonnen. Nochmal Fritjof Haft: O-Ton Haft:Geradezu prädestiniert ist die Mediation für Fälle, in denen Gläubiger die Schulden eintreiben wollen oder auch für Scheidungsfälle, in denen ein Ausgleich zwischen Unterhalt und Sorgerecht gefunden werden kann. Weitere boomende Einsatzbereiche sind das Wirtschafts- und das Umweltrecht. Demnächst wird Fritjof Haft sogar Mediator im strafrechtlichen Bereich sein. Amerikanische Studien zeigen, daß 3 von 4 Verfahren zu einer gütlichen Einigung führen und so Streithähne zu kooperierenden Partnern machen. Die Erfolgsaussichten hängen aber immer von der Vergleichsbereitschaft der Streitparteien ab und davon, wie ernst die Mediation betrieben wird. |