![]() Armut - Schuld oder Schicksal?Wie weit ist Armut verbreitet?Alleinerziehende mit fünf Kindern Wieviel Sozialhilfe gibt es eigentlich? Arbeit für Sozialhilfeempfänger Arm trotz Arbeit Schuldnerberatung Müssen wir Armut akzeptieren?
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Die einzelnen Beiträge können Sie im Real-Audio-Verfahren anhören. 1. Jingle"Uniwelle"-Jingle. Mit der Werkstatt. Heute beschäftigen wir uns mit den Schwächsten der Gesellschaft, den Armen. Wie wird man arm, wie sieht ein Leben in Armut aus. Dazu Beiträge und ein Studiogespräch. Am Mikrophon: Gerhard Wahle2. UmfrageUniwelle, mit der Werkstatt zum Thema Armut. Im Studio begrüß' ich Jürgen Volkert, Armutsexperte des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen. Er wird uns in der kommenden Stunde durch die Sendung begleiten. Guten Tag, Herr Volkert!Guten Tag, Herr Wahle! Bevor wir in das Thema einsteigen, wollen wir erst mal klären: Armut, was ist das überhaupt? Ab wann gilt jemand eigentlich als arm und: wie weit ist Armut in Deutschland verbreitet. Bevor wir den Experten zu Wort kommen lassen, wollen wir erst mal hören, wie die Leute auf der Straße darüber denken: "Im Vergleich mit dem Ausland, leben wir immer noch wie die Fettaugen
auf der Suppe hier in Deutschland, selbst die, die nicht ganz so reich
sind."
3. Studiogespräch
Wissenschaftlich gibt es sehr verschiedene Armutsmaße, je nachdem,
was mit dem einzelnen Untersuchungsobjekt erreicht werden soll. Das heißt
zum Beispiel, wenn ich messen möchte, wieviel braucht jemand, um absolut
zu überleben, dann brauch' ich gerade solch ein absolutes Armutsmaß.
Dann kann ich in Entwicklungsländern messen, wieviel Einkommen braucht
jemand, um sich Nahrung einkaufen zu können, was zum Wohnen zu haben,
überhaupt was zum Überleben zu haben.
Wieviele Menschen in Deutschland fallen denn unter ein solches Armutsmaß? Wenn wir gerade die 50%-Grenze nehmen, dann können wir sehen, daß 12% Deutsche in West-Deutschland arm sind, 7 % in Ostdeutschland, bezogen auf ostdeutsche Einkommen. Das heißt: 7 % der Ostdeutschen haben weniger als 50 % des Einkommens in Ostdeutschland. Wenn wir das ganze auf die westdeutschen Einkommen beziehen, dann haben wir 20 %, jeden 5. Ostdeutschen, der weniger als die Hälfte hat des durchschnittlichen westdeutschen Einkommens. Und haben Sie da spezielle Zahlen auch für Tübingen? Für die regionalen Fragen haben wir ein großes Problem.
Da gibt es nämlich diese Daten normalerweise nicht. Man behilft sich
dann mit der Zahl der Sozialhilfeempfänger. Und das ist natürlich
umstritten, denn die Ämter sagen zurecht: Wenn jemand Sozialhilfe
bekommt, dann ist er nicht mehr arm.
Man spricht ja oft von der Zwei-Drittel-Gesellschaft, daß über ein Drittel der Gesellschaft arm ist. Ja, stimmt denn der Begriff überhaupt nicht? Die Zwei-Drittel-Gesellschaft stimmt dann nicht, wenn man damit annimmt,
daß ein Drittel der Gesellschaft dauerhaft in Armut lebt. Das ist
falsch. Richtig ist, daß jeder dritte Haushalt in einem längeren
Zeitraum - etwa 8 Jahre - irgendwann einmal arm ist. Das heißt, wir
haben hier keine Verfestigung von Armut, sondern eine Armutsgefährdung
breiter Schichten.
4. Fortsetzung StudiogesprächHerr Volkert, Sie haben gerade eben gesagt, jeder Dritte Haushalt wird innerhalb von 8 Jahren einmal arm. Welche Ursachen gibt es denn dafür?Die Ursachen, daß Armut kein Randgruppenproblem mehr ist, liegen
in verschiedenen wichtigen Faktoren. Ein ganz wichtiger, der zur Armut
führt, ist bei uns inzwischen Arbeitslosigkeit. Mehr als jeder Dritte
der Empfänger von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt, bekommt diese
Hilfe, weil er arbeitslos ist. Ein ganz wichtiges Problem ist die
Langzeitarbeitslosigkeit. Die Leute bekommen nach einer bestimmten Zeit
nicht mehr Arbeitslosengeld ausbezahlt und werden dann irgendwann in die
Sozialhilfe abgedrängt.
5. Alleinerziehende MutterAlso wenn ich mal zusammenfassen will. Das Armutsrisiko steigt eigentlich dann, wenn ein Einkommen wegfällt und das Geld vorher schon knapp war. Gerade bei Familien mit mehreren Kindern ist das sehr häufig so und wenn dann ein Ernährer wegfällt, etwa durch Arbeitslosigkeit oder Scheidung - beides nicht gerade selten in unserer Gesellschaft -, dann bleibt eben nur noch der Gang aufs Sozialamt. So ging es übrigens auch Elke S. Sie ist alleinerziehende Mutter von 5 Kindern. Wir haben sie einmal besucht, um mehr darüber zu erfahren, wie sie arm geworden ist und wie sie heute lebt. |